Fokus auf die Gartenbewässerung

Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe!

So lautet ein bekannter Spruch. Glaubt man der Statistik, dann benötigt ein Quadratmeter Garten nur 60l Wasser pro Jahr und die Zisterne lohnt nicht.

Gartenbesitzer mit denen ich sprach, strafen diesen Wert jedoch Lügen. Gerade im Sommer können für eine Rasenfläche gut und gerne 15-20 Liter je Quadratmeter und Woche benötigt werden. Das sind sage und schreibe 2 Kubikmeter je Woche!

Rechnet man mit diesen Werten für die Zeit von Mai bis September, dann kommt man je Quadratmeter Garten auf einen Wert von 400 Liter. Auf 100m² Garten gerechnet, macht das dann schon beachtliche 40 Kubikmeter Wasser, bzw. 62,40€ pro Jahr.

Nun ist das Wetter leider nicht ganz zuverlässig, so dass es nicht sicher ist, dass die Zisterne immer randvoll ist. Während man in der kalten Jahreszeit, Regen im Überschuss hat und der Tank überläuft, kann es im Sommer doch auch zwei oder drei Wochen ohne Niederschlag geben.

Daher ist es von Vorteil zu wissen, wie viel Regen man denn überhaupt über die Dachflächen einsammeln kann.

Wichtige Eckdaten hierfür sind die projizierte Dachfläche (Grundfläche plus Dachüberstände) und die mittlere Niederschlagsmenge pro Jahr. In Berlin/Brandenburg liegt diese bei 500-600 Liter pro Jahr. In Ludwigsfelde gar nur bei 450 – 550 Litern, womit wir im deutschlandweiten Vergleich im unteren Drittel rangieren.

Wer hätte das gedacht?

Der letzte Wert der Rechnung gibt das benötigte Volumen der Zisterne an, um das Regenwasser von 21 Tagen speichern zu können. Bei einem Schrägdach mit einer projizierten Dachfläche von 100 m² kommt man in Berlin/Brandenburg auf einen Wert von rund 2,5 Kubikmeter.

Ist die Zisterne groß genug?

Weiter oben haben wir herausgefunden, dass der Garten im Sommer bis zu 2 Kubikmeter Wasser je Woche haben möchte. Da es im Sommer auch vorkommen kann, dass es drei Wochen am Stück nicht regnet, soll man die dreifache Ertragsmenge in der Zisterne vorhalten können.

Bleiben wir bei den Werten von oben, dann kommen wir je 100 m² Garten auf ein Zisternenvolumen von 2 Kubikmeter mal drei Wochen, macht 6 Kubikmeter.

Ist der Garten gar 400 m² groß, dann sind es schon 24 Kubikmeter Zisternenvolumen. Nichts was man sich mal so ohne weiteres im Baumarkt kauft und am Wochenende selbst verbuddelt. Allerdings bräuchte man dann in Berlin/Brandenburg etwa ein halbes Jahr, um die Zisterne überhaupt voll zu machen.

Die Gartenbewässerung im Sommer komplett über die Zisterne geregelt zu bekommen kann man also leider vergessen.

Zusammenfassung

Für das Brauchwasser rechnet sich die Regenwassernutzung meiner Ansicht nach überhaupt nicht. Für den Wasserbedarf des Gartens wäre eine prall gefüllte Zisterne im Sommer hervorragend, um Geld zu sparen. Leider könnte sie im Sommer aber auch nicht groß genug dimensioniert sein, während sie im Winter kaum benötigt wird.

Läuft die Zisterne Gefahr nicht auch einmal geleert zu werden, wirkt sich dies außerdem negativ auf die notwendigen Reinigungszyklen aus, da Verunreinigungen nicht vollständig ausgespült werden können.

Man müsste sich also auf einen Kompromiss einlassen, das Wasser zu sammeln, welches man auch tatsächlich innerhalb von drei Wochen speichern kann. Kümmert man sich manuell um die Wässerung von Rasen und Pflanzen kann man damit sicher gut zurechtkommen.

Verwendet man eine Beregnungsanlage, stellt man besser sicher, dass immer Wasser im Tank ist. Ist die Zisterne leer, muss sie dann mit Trinkwasser aufgefüllt werden. Schade, wenn es dann eine Stunde später regnet. Hier sieht man außerdem, dass ein Gartenwasserzähler auch mit Zisterne von Vorteil ist.

Auch beim Thema Pumpen, für die Zisterne ist kaum ein Gartenfreund völlig glücklich. Die Pumpen nehmen einem den Betrieb in einer leeren Zisterne meist übel. Auch wenn die Pumpe in der Zisterne einen Trockenlaufschutz hat und so nicht bei Wassermangel direkt verstirbt, verschlucken sie sich doch auch gerne mal an Luftblasen. Es wird dann ein Wartungseinsatz des Gartenfreundes in der Zisterne fällig. Gut wenn der Zisternenbevollmächtigte im Haushalt dann auch anwesend und nicht eventuell auf Dienstreise ist.

Fazit

Ich für meinen Teil habe hieraus den Schluss abgeleitet, dass eine Zisterne für uns wohl nicht in Frage kommt. Zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir gemäß unseres Bodengutachtens eher auf eine Betonzisterne setzen müssten. Wir müssten hierfür wohl professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, da schweres Gerät zum Einsatz kommen müsste, was wiederum die Kosten in die Höhe triebe.

Als Dank dafür hätten wir dann Wartungsaufwand und im Sommer eine leere Zisterne, wenn sie denn gerade am wichtigsten wäre. Selbst als Pufferspeicher, um die schlechte Sickerfähigkeit unseres Baugrundes auszugleichen, taugt sie kaum. Denn regnet es erstmal richtig, dann ist auch die Zisterne schnell voll.

Für das Thema Gartenbewässerung im Sommer steht nun als nächstes das Thema: Brunnenbohrung auf dem Prüfstand.

9 Antworten

  1. Eric sagt:

    Hi, hier mal eine günstige Alternative zur gekauften Zisterne :

    https://m.youtube.com/watch?v=sDWzp_mssLY

    Mit freundlichen Grüßen
    Eric

    • John sagt:

      Klasse Idee, Danke Eric.
      Bei uns kommt das allerdings nicht in Frage, da wir das Regenwasser ja versickern lassen müssen.
      Aus diesem Grund mangelt es uns dann an einem Regenwasserkontrollschacht.
      Für all jene, die einen solchen haben, eine super Sache.

      Gruß
      John

      • Eric sagt:

        Das ganze geht auch mit einem Revisionsschacht,den ihr auf jeden Fall benutzen könntet (wird am Ende des Videos noch erklärt).

      • John sagt:

        Oh, Danke. Im Endeffekt bestätigt er jedoch meine Auffassung. Im Jahr 30 Kubikmeter gespart, macht unter 50€ aus, wenn man ohnehin versickern lassen muss und daher keine Abwassergebühren auf Regenwasser zahlt. Insgesamt rechnet sich diese Variante aber wenigstens in absehbarer Zeit.

        Eine interessante Variante.

        Gruß
        John

  2. TT Baublog sagt:

    Hallo,

    meine Frage: Wenn ihr keine Zisterne verbaut, was macht ihr dann mit dem Regenwasser? Wir müssen das Wasser auf dem Grundstück behalten. Gibt es Alternativen zur Zisterne?

    VG
    T.

    • John sagt:

      Hi,
      naja, Alternativen wären Versickerungsrigolen (aus Kies oder Kunststoffteilen) oder Sickermulden.
      Das Problem ist meiner Ansicht nach ja, dass bei richtig fiesem Regen, die Zisterne im Nullkommanix voll ist und dir dann die Suppe zurück ins Fallrohr staut und (letztens auf einem Video gesehen) aus der Dachrinne schwappt. Oder du bindest hieran noch Rigolen an. Vom Kosten/Nutzen-Verhältnis her, bin ich derzeit nicht geneigt eine Zisterne im Garten zu versenken.

      Im Sommer, wenn du das Wasser gebrauchen könntest, ist das Teil dann auch noch ständig leer und du musst mit Trinkwasser auffüllen.

      Sobald wir mit den Bauarbeiten loslegen, werde ich mal einen Sickertest auf dem Grundstück machen und sehen was man denn so an Volumen für Tunnelrigolen bräuchte. Und wenn es um die Pflanzen und den Rasen geht, könnte ich mir derzeit tatsächlich einen Brunnen vorstellen.

      Gruß
      John

  3. TT Baublog sagt:

    Hallo,

    Danke für deine Antwort. Das wird für uns auch noch ein interessantes Thema. Versickerungsrigolen muss ich mir noch ansehen. Regenwasser von 200m² Dachfläche einfach so im Garten versickern lassen, stelle ich mir auch problematisch vor. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

    VG
    T.

  4. Daniel sagt:

    Ein Brunnen lohnt sich fast immer.. es sei denn bis 60m Tiefe wurde kein Grundwasser gefunden (schniff.. so ist das bei uns).. wie auch immer, eine Zisterne halb legal betreiben spart dann auch beim Brauchwasser … 😉

    Wir investieren aber lieber in einen Enthärter, das spart zwar auch kaum Geld aber Nerven! Und die kann man schlechter beschaffen als Geld

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