Während Oma und Opa froh waren, wenn sie irgendwo im Haus überhaupt eine Telefondose für ihren Wähli hatten, sind unsere heutigen Kommunikationsbedürfnisse doch ein wenig anders gelagert. Ohne Internetverbindung geht mal nix und das bitte nach Möglichkeit drahtlos. Neudeutsch Wireless LAN oder WiFi. Überall ausreichend guten Empfang zu haben kann schon in einer Wohnung zur Herausforderung werden, doch wie bekommt man sowas auch im Einfamilienhaus hin? In diesem Beitrag beschreibe ich unseren Ansatz, der in der Tat sehr erfolgreich für WLAN im ganzen Haus sorgt.

Ein WLAN Router allein ist nicht genug

Dass FritzBox, Speedport oder wie sie alle heißen, schon in Wohnungen jenseits 80 m² und teils bereits darunter an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht den letzten Winkel mit WLAN zu versorgen ist bekannt. In einem Einfamilienhaus ist das geradezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Zuerst ist da die Positionierung des WLAN-Routers. Der befindet sich in der Regel natürlich in unmittelbarer Nähe von der Stelle, wo das Internet ins Haus kommt. Meist eben nicht genau in der Mitte der Wohnung oder des Hauses. Funk breitet sich aber kugelförmig aus, weswegen die Mitte des zu versorgenden Raums genau der richtige Ort für das Gerät wäre. Blöd nur, wenn genau dort der Esstisch steht. Eine Herausforderung ist, die dann hierfür notwendigen Kabel noch im Dekokonzept unterzubringen.

Dann sind da noch Reichweite und Dämpfung. Während es beim Bungalow die schiere Fläche ist, die mit einem funkenden Gerät kaum abzudecken ist, sind es bei zwei oder mehrgeschossigen Häusern die Geschossdecken, die für eine gute Dämpfung und damit für miserablen Empfang in den anderen Geschossen sorgen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die aktuellere und damit schnellere WLAN-Generation (IEEE 802.11ac) auf 5 GHz und nicht mehr 2,4 GHz funkt. Je höher die Frequenz aber, desto kurzwelliger das Funksignal und je kurzwelliger der Funk, desto geringer die Reichweite und desto einfacher wird das Signal durch Wände und Decken gedämpft.

Repeater sind keine Lösung

Stapft man nun mit dieser Problematik im Kopf in den nächsten Elektrofachmarkt des Vertrauens, werden WLAN-Repeater oder Powerline Adapter als Heilsbringer angeboten. Während WLAN-Repeater jedes gesendete und empfangene Datenpaket nachplappern und damit die Bandbreite auch für die Geräte, die eigentlich einen guten Empfang haben halbieren, erweiterter man mit Powerline das Netzwerk auch auf die Stromleitungen im Haus. Mit dem Effekt, dass man in Steckdosen hässliche Adapter stecken hat.

Kann man schon so machen, dann ist es aber Sch….., äh blöd.

Mal im Ernst, wir planen hier den Bau eines Hauses, da muss es doch möglich sein, auch für ordentliches WLAN zu sorgen, um später nicht auf Notbehelfe zurückgreifen zu müssen.

Und tatsächlich ist es möglich und es kostet nichtmal die Welt.

Mindestens ein Access Point je Etage

Da wir eine Stadtvilla mit so ziemlich quadratischer Grundform und einer Kantenlänge von rund 10 x 10 Meter planten, sollten je ein Access Point  (AP) je Etage genügen. Auch Häuser mit Satteldach, die in aller Regel ja eher eine rechteckige Grundform haben, sollten hiermit hinkommen. Bei Winkelbungalows verteilt man die zwei AP eben im Erdgeschoss.

Baut ihr ein Haus in Holzständerbauweise (Fertighaus), dann kann teilweise auch ein einzelner, dafür aber geschickt platzierter Access Point genügen.

Access Point? Sorry, hatte ich vergessen zu erwähnen. Hierbei handelt es sich um im professionellen Einsatz seit Anbeginn der WLAN-Technik etablierte Gerätschaften. Dort steht irgendwo im Serverraum ein sogenannter Controller und überall dort, wo man WLAN haben möchte, hängt ein per Netzwerkleitung angebundener Access Point. Früher waren das nicht viel mehr als Antennen mit ein wenig Elektronik drin, die unter der Decke oder an der Wand hingen. Die notwendige Intelligenz steckte im Controller im Serverrack.

Access Point

Win wohl platzierter Access Point fällt kaum auf, sorgt aber für ordentlichen Empfang für Smartphone und Tablet.

Inzwischen ist diese ehemals sehr kostspielige Technik sehr viel günstiger geworden. Insbesondere der Hersteller Ubiquiti Networks (UBNT) ist trotz des unaussprechlichen Namens auch bei Privatkunden sehr erfolgreich mit seinen UniFi Geräten. Das liegt nicht zuletzt an den erschwinglichen Preisen. Inzwischen bietet UBNT, seine APs sogar schon mit Dekor an, was sicher auch Ausdruck dieses Erfolges ist.

Voraussetzungen

Nun benötigen Access Points üblicherweise eine Netzwerkleitung, über die sie Daten senden und empfangen, sowie elektrische Energie beziehen können.
Diese sollte man nun, das ist mein Tipp, schon bei der Planung des künftigen Hauses vorsehen.

Tipp: Unbedingt schon vor Baubeginn je mindestens eine Netzwerkleitung an zentraler Stelle an den Decken einplanen!

In der Regel genügt hierfür je Geschoss genau eine Cat. 7 Leitung. Da die APs, die zum Betrieb notwendige elektrische Energie über die Netzwerkleitung erhalten (Power over Ethernet bzw. PoE) benötigt man keine gesonderte Stromleitung.

In unserem Fall haben wir also Leitungen im Flur des Obergeschosses und im Erdgeschoss vorgesehen. Im Erdgeschoss allerdings in Richtung Garten versetzt, damit wir auch auf der Terrasse WLAN haben.

7 Antworten

  1. Jule sagt:

    Vielen Dank John für diesen Wertvollen Tip.
    Mein Mann ist gleich im Shopping-Wahn und freut sich, dass wir noch nicht beim Bau sind.
    So können wir eine super schöne Lösung aufbauen.

  2. Rico sagt:

    Hi,

    schade, dass der Beitrag erst jetzt kommt. Sonst hätte ich mir die Sachen von UBNT sicher mal genauer angeschaut. Ich bin jetzt bei TP-Link mit dem EAP Controller gelandet und damit bisher aber auch sehr zufrieden. Zwei AP decken mein Haus gut ab und in den nächsten Tagen kommt noch der Outdoor-AP für die perfekte Gartenabdeckung aufs Dach. Das einzige was mich daran stört ist, dass es den Outdoor-AP nur mit passivem POE gibt, sodass ich den Injektor verwenden muss. Dabei habe ich extra einen schönen Cisco 24 Port POE Switch 🙂

    In einem Punkt muss ich dir aber leider widersprechen. 😉 Ich persönlich würde die AP niemals als Ersatz für Lan-Anschlüsse planen sondern immer zusätzlich. Es gibt nix was besser ist als Kabel 🙂 Alles was stationär ist, möchte ich auch mit Kabel betreiben und für Handy und Tablett dann das WLAN. Aber ok, ich gebe es ja auch zu, dass ich bei mir ein wenig übertrieben habe. Auf 135m² kommen 62 Netzwerkanschlüsse (31 Doppelleitungen). Großteil der Kabel bleibt aber unsichtbar (ohne Dose) in der Wand solange sie nicht gebraucht werden. Zum einen muss ja nicht an jeder Ecke eine Dose zu sehen sein und zum anderen spare ich das Geld für unnötige Dosen, solange sie nicht benötigt werden. Aber ich weiß, dass die Kabel da sind, wenn ich sie mal brauche 🙂

    Viele Grüße, Rico

    • John sagt:

      Hi Rico,
      TP-Link hatte ich widerum nicht auf dem Schirm. Da ich aber schon geraume Zeit mit UniFi arbeite und die Lösung auch schon in der Mietwohnung hatte, lag die Entscheidung für mich nahe. Klasse finde ich, dass du mir gar nicht widersprichst. 🙂 Ich bin der totale Kabeldogmatiker. Ich würde immer Kupfer, dem Vorzug gegenüber Funk geben. Im Text schreibe ich, dass man anstatt alle Räume mehrfach mit Doppeldosen auszustatten eben diese zwei, drei Leitungen für das WLAN nicht vergessen soll. Also eher auf die Doppeldose auf der Gästetoilette verzichten und dafür die Leitungen für die APs nutzen.
      31 Doppelleitungen ist allerdings eine ordentliche Hausnummer. Da du aber auch ein Smarthome betreibst, gehen deine Anwendungsfälle für Kupferadern natürlich weit über die der puren Netzwerktechnik hinaus. Zusammen mit dem Komfort des Holzrahmenbaus, wo man eine Wand leichter mal öffnet und wieder dicht macht…….
      Ich sage ja: Lieber haben, als brauchen!

      In diesem Sinne, beste Grüße
      John

      • Rico sagt:

        Hi John,

        ah, dann habe ich das missinterpretiert. Und bei „Lieber haben, als brauchen!“ hast du definitiv auch meine vollste Zustimmung 🙂

        Viele Grüße,
        Rico

    • Henric sagt:

      Hallo Rico,

      kannst Du hier oder auch gern per Mail malm Deine TP Konfiguration/Komponenten zeigen?

      @John, kannst Du bitte meine Mailadresse weitergeben?

      • Rico sagt:

        Hallo Henric,

        klar, schicke ich dir gerne per Mail. Hinterlasse am besten einen Kommentar auf meinem Blog, dann müsste ich die Mail-Adresse auch sehen: https://unserholzhaus.wordpress.com/

        Als Komponenten habe ich zwei EAP 115 und einen EAP 110-Outdoor (beides nur 2,4GHz, aber reicht mir erstmal aus. Wird später evtl. gegen 5GHz getauscht, aber der Preis war einfach ausschlaggeben). Ich arbeite bei dem Zugang ins Gästenetz mit Vouchern, die eine begrenzte Gültigkeit haben. Dazu muss allerdings eine Software auf einem Windowsrechner laufen. Da ich habe als Touchpanel eh eine Windowskiste permanent am laufen habe, ist das kein Problem. Gibt von TP-Link aber auch eine AP-Baureihe, wo der Controller als Hardware erhältlich ist. Wenn man auf die Voucher verzichtet, braucht man die Software aber nicht für den Betrieb.

        Klasse ist auch, dass ich anfangs nur einen AP einrichten musste und die beiden später ergänzten APs haben dann per Knopfdruck die Konfiguration des ersten übernommen. Achso und ich betreibe aktuell 2 verschiedene WLAN SSIDs. Eines für mich und das andere für Gäste.

        Viele Grüße, Rico

  3. Henric sagt:

    Hallo Rico,

    erstmal danke für Deine Antwort. Ich hab mir Deine TP Komponenten mal angesehen, muss aber gestehen, dass ich zwar irgendwie auch ITler bin, aber dennoch nicht so in der Tiefe in dem Thema drin stecke.
    Bedeutet Deine Lösung also, dass zum Betrieb permanent eine Windowsrechner laufen muss, was bei Dir dein Touchpanel ist, oder genügt der Windowsrechner zur Konfiguration des APs und ich müsste „nur“ auf die Voucherfunktion verzichten?

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