​Da das Bauamt Luckenwalde unseren Bauantrag derzeit anscheinend noch als Türstopper nutzt, scheint es etwas verfrüht, doch wir haben uns nun um die notwendigen Bauversicherungen gekümmert.

Sinnvolle und unnötige Versicherungen

Wir Deutschen sind seit jeher mit großem Enthusiasmus dabei, wenn es darum geht uns zu versichern. Im Schnitt hat jeder Deutsche fünf bis sechs Versicherungen abgeschlossen. Neben sehr sinnvollen Versicherungen, wie der Privathaftpflichtversicherung gibt es auch viele unnötige Versicherungen, wie zum Beispiel die Kälteschutzversicherung.
Diese Versicherung „schützt“ einen in kalten Wintern vor zu hohen Heizkosten. Man erhält dann bei Temperaturen unterhalb eines bestimmten Wertes, Bares von der Versicherung. Der Wahnsinn 🙂

Auch der Nutzen von Handyversicherungen ist dann fraglich, wenn die Versicherung beim Totalschaden des Gerätes nur den Zeitwert ersetzt. Dieser ist üblicherweise ja bereits nach einigen Monaten so niedrig, dass dieser nicht mehr genügt, um ein neues Gerät zu kaufen.

Ein besonders schönes Beispiel und mein Highlight einer unnötigen Versicherung ist allerdings die: Hochzeitsrücktrittskostenversicherung. Diese erstattet allerdings nicht die Kosten einer Scheidung, wenn man es sich nach der Vermählung plötzlich anders überlegt. Nein sie leistet dann, wenn man die Hochzeitsfeier z.B. wegen Krankheit absagen musste und übernimmt die Stornokosten für Hochzeitslocation usw.

Lässt man sich auf das Abenteuer Hausbau ein, kommt man allerdings nicht ohne Versicherungen aus. Bleibt nur die Frage:

„Welche Versicherungen braucht man, wenn man ein Haus baut und was muss man dafür zahlen?“ 

Details zu den einzelnen Bauversicherungen

Bauherrenhaftpflichtversicherung

Die erste Versicherung, um die wir uns zu kümmern hatten, war die Bauherrenhaftpflicht. Diese Versicherung springt bei Ansprüchen ein, die ein Dritter gegen die Bauherrschaft erhebt.
Hat man z.B. ein Grundstück erworben, ist man vom Zeitpunkt des Besitzübergangs für das verantwortlich, was auf dem Grundstück passiert. Verletzen sich dann z.B. Kinder beim Spielen auf dem unbebauten Grundstück oder der Baustelle, weil sie z.B. über einen Schacht stolpern, ist es besser eine solche Versicherung in der Hinterhand zu haben.
Doch vor allem dann, wenn es tatsächlich losgeht mit den Bauarbeiten, ist die Bauherrenhaftpflicht wichtig. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, weiß schon der Volksmund zu sagen.

Auch wenn man eine Firma mit den Bauarbeiten beauftragt hat, haftet die Bauherrschaft laut BGB in unbegrenzter Höhe! 

Mit diesem Wissen ist klar, dass die Bauherrenhaftpflicht zu den wichtigsten Versicherungen beim Bau gehört.

Doch wie kommt man an eine solche Versicherung und was kostet der Spaß? Leider bleibt einem der übliche Weg des Versicherungsvergleiches für diese Form der Versicherung verwehrt. Die üblichen Vergleichsportale bieten keine Bauherrenhaftpflichtversicherungen an, so dass man erstmal im Trüben fischen muß.

Wir haben uns bezüglich dieser Versicherung an unseren Finanzierungsberater gewandt. Von diesem erhielten wir einen detaillierten Vergleich zweier Versicherungen und entschieden uns für diejenige, die unserer Ansicht nach das beste Gesamtpaket bot.

Üblicherweise hat die Bauherrenhaftpflichtversicherung eine Laufzeit von mehreren (meist 2 oder 3) Jahren und wir mit der Zahlung eines einmaligen Beitrages beglichen. Der Beitrag richtet sich nach der Bausumme und der Vertragsdauer, sowie natürlich dem gewünschten Umfang. Übliche Versicherungssummen liegen bei 20-30 Millionen Euro je Schadenfall für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Die uns zum Vergleich angebotenen Versicherungen forderten einen Beitrag von unter 150€.

Tipp: Einige Privathaftpflichtversicherungen enthalten bereits eine Haftpflichtversicherung für unbebaute Grundstücke. Ein Blick in die Versicherungspolice könnte sich also lohnen.

Bauleistungsversicherung

Diese Versicherung sichert den bereits fertiggestellten Teil des Hauses ab. Tatsächlich muss nicht jede Bauherrschaft diese Versicherung abschließen, da diese teilweise bereits im Gesamtpaket des Hausbaupartners enthalten ist und von diesem getragen wird. Hier hilft ein Blick in die Bauleistungsbeschreibung des Bauunternehmens seines Vertrauens.

Tatsächlich sollte man also als Bauherrschaft darauf achten, dass eine solche Versicherung vor Beginn der Bauarbeiten abgeschlossen wurde und der Beitrag auch bezahlt wurde!

Durch diese Versicherung abgedeckt sind dann Schäden durch höhere Gewalt, mutwillig oder vorsätzliche Beschädigung durch Dritte, Diebstahl von bereits fest mit dem Gebäude verbundenen Dingen, sowie Glasbruch. Solange Material noch nicht mit dem Gebäude verbunden ist, ist es üblicherweise über die Versicherungen der Auftragnehmer versichert.

Auch bei Bauleistungsversicherungen schaut man bei Check24  oder Verivox leider in die Röhre. Daher baten wir unseren Finanzierungsberater auch hier um eine Auswahl von Versicherungen, aus denen wir uns dann eine aussuchten.

Diese Versicherung schließt man in der Regel für einen Zeitraum vom 2 Jahren ab. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach dem Bauwert und der sogenannten ZÜRS-Zone. Diese gibt an zu welcher Zone das Grundstück gehört und wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Überschwemmungen, Rückstau und Starkregen ist. Unser Grundstück gehört der  ZÜRS-Zone 1 an, was dem Areal eine Wahrscheinlichkeit für Hochwasser von seltener als 1 mal in 200 Jahren bescheinigt.

Die uns angebotenen Versicherungen verlangten einen Beitrag von  400€ – 500€ und unterschieden sich in ihrem Leistungsumfang vor allem durch die Übernahme von Mehrkosten für Eil- und Expressfrachten bzw. Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit. Ebenfalls ließen einige Versicherungen eine kostenlose Nachhaftung von bis zu drei Monaten zu, falls es dann doch ein wenig länger mit der Fertigstellung des Hauses dauert.

Ein recht wichtiger Bestandteil sollte der „Verzicht auf Rückgriff versicherter Unternehmer“ sein. Hierbei verzichtet der Versicherer darauf, einen am Bau beteiligten Subunternehmer in die Pflicht zu nehmen, wenn dieser einen Schaden zu verantworten hat. Da hierdurch sonst beträchtliche, existenzbedrohende Schadenersatzsummen auf den Subunternehmer zukommen können, ist es gut eine solche Klausel im Vertrag zu haben. Was bringt es einem, wenn z.B. der Sanitärbetrieb das Haus unter Wasser setzt, anschließend Pleite ist und die vereinbarten Arbeiten nicht mehr durchführen kann.

Nicht abgedeckt ist bei der Bauleistungsversicherung das Feuerrisiko. Hierfür sucht man sich dann eine Feuerrohbauversicherung, die Bestandteil von Wohngebäudeversicherungen ist.

Feuerrohbau- bzw. Wohngebäudeversicherung

Die einzige Versicherung im Bunde, die einen über die Bauphase hinaus begleitet, ist die Wohngebäudeversicherung. Während das Haus noch in der Entstehung ist, deckt diese Versicherung das Feuerrisiko ab. Bei den meisten Versicherern ist nach Abschluss einer Wohngebäudeversicherung, die Feuerrohbauversicherung hierin beitragsfrei enthalten. Das bedeutet, dass der Beitrag für die Versicherung erst nach Bezug des Hauses fällig wird. Wie lange die Feuerrohbauversicherung dann beitragsfrei mitversichert ist, unterscheidet sich von Versicherung zu Versicherung.

Nach der Fertigstellung des Hauses sind hierüber dann die wichtigsten Risiken für das Haus versicherbar. Entsprechend groß ist die Bandbreite der eingeschlossenen Gefahren bei den einzelnen Versicherern.

Zum Minimum gehört die Absicherung gegen Schäden aus Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Optional kann man den Einschluss der sogenannten Elementarschäden wählen. Hierüber werden dann Risiken aus Überschwemmung, Überflutung, Vulkanausbruch, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch und Schneedruck eingeschlossen.

Die Rundum-Sorglos-Variante ist die All-Risk-Deckung, die auch „Unbenannte Gefahren“ genannt wird. Hierbei sind alle Risiken eingeschlossen, die nicht explizit ausgeschlossen wurden. Übliche Ausschlüsse sind Schäden durch Krieg, Vorsatz und Kernenergie. Auch Glasbruch ist üblicherweise nicht Bestandteil der Wohngebäudeversicherung. Dafür ist man dann in dem Fall versichert, wenn einem ein Satellit auf das Haus stürzt oder sonstige nicht ganz wahrscheinliche Dinge passieren.

Während Bauherrenhaftpflicht und Bauleistungsversicherung nicht über die üblichen Portale vergleichbar sind und man zwingend über einen Makler gehen muss, sind Wohngebäudeversicherungen gut im Internet vergleichbar.

Auch wir sind diesen Weg gegangen, haben überdies erneut unseren Finanzierungsberater mit ins Boot geholt und auch bei unserem Vertreter der Versicherung angefragt, über die die Masse unserer derzeitigen Versicherungen läuft.

Hier mussten wir zu unserer Überraschung feststellen, dass unser Bestandsversicherer die aller schlechtesten Konditionen bot. Tatsächlich schien es aber auch, dass unser Versicherungsvertreter keinen rechten Bock darauf hatte, uns etwas anzubieten. Sobald wir im neuen Haus eingezogen sind, werden wir uns dann wohl auch mal wegen der bestehenden Versicherungen anderweitig umsehen.

Ein gutes Gefühl hatten wir dann erneut bei den drei Vorschlägen unseres Finanzierungsberaters, die teils bessere Leistungen zu günstigeren Preisen, als die der Vergleichsportale boten.

Die Bandbreite der Versicherungsbeiträge war allerdings erstaunlich. Von knapp 230€ bis rund 500€ pro Jahr, war alles mit dabei. Hätten wir uns für „Unbenannte Gefahren“ entschieden, wären es nochmals rund 80€ mehr pro Jahr geworden. Allen angebotenen Versicherungen ist gemein gewesen, dass sie sich von Jahr zu Jahr verteuern. Die Einen nennen es Alterszuschlag, die anderen Neubaurabatt. Im Schnitt handelte es sich um 2,5% pro Jahr über 20-30 Jahre.

Schwierig ist es dann, bei der Auswahl zwischen den Versicherungen die Kirche im Dorf zu lassen. So muss man sich im Klaren sein, welche Risiken denn tatsächlich abgedeckt sein müssen und welche evtl. Luxus und so unwahrscheinlich sind, dass man sie unversichert bleiben lassen kann.
Ein gutes Beispiel für eine Luxusoption ist das eingangs erwähnte Risiko, „Unbenannte Gefahren“ oder „Neuwerterstattung, wenn kein Wiederaufbau erfolgt.“

Fazit

Die Eingangs gestellte Frage: „Welche Bauversicherungen sind sinnvoll?“ kann man also ganz klar beantworten. Alle drei Versicherungen sind sinnvoll und teilweise sogar von den Finanzierungsgebern vorgeschrieben.

Bau-GmbH Roth wiederum setzt alle drei Versicherungen voraus. Schade hierbei ist, dass die Bauleistungsbeschreibung von Roth Massivhaus nicht wenigstens die Bauleistungsversicherung enthält. Im Rahmen einer Gruppenversicherung wären die Konditionen für das Unternehmen sicher besser, als sie es für uns sind. Im Hausvertragspreis würden die 400€ nicht weiter ins Gewicht fallen.

Diese Kosten sind uns für diese Versicherungen nun entstanden:

Bauherrenhaftpflicht (einmalig 2-3 Jahre Laufzeit) 122 €
Bauleistungsversicherung (einmalig 2-3 Jahre Laufzeit) 483 €
Wohngebäudeversicherung (jährlich) 225 €
Summe 830 €

1 Antwort

  1. Henric sagt:

    Wenn ihr euch ernsthaft nach dem Bau nach einem anderen Versicherungsanbieter umgucken wollt, hatte ich Dir ja gestern gesagt, wo Du den findest 😉 Vorraussichtlich ca. 200m in der Nachbarbarschaft.

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