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Bereits Anfang November 2016 nahmen wir uns vor nach einem Kamin Ausschau zu halten. Zum Einen, um einen qualifizierten Preis einzuholen und einen kleinen Teil unserer Baukostenaufstellung abzusichern. Andererseits wollten wir auch sehen, wieviel Raum ein Kamin einnehmen würde, um die Grundrissplanung voranzubringen. Ein kleine Aufgabe, die wir damit dann schon einmal abhaken könnten. Dachten wir.

Recherche nach einem Kamin im Internet

Wie so oft war das Internet unsere Anlaufstelle zur ersten Orientierung. Hier findet man Kamine aller Größen und Preiskategorien. In die Recherche starteten wir mit einem schönen, dreiseitigen Kamin. Bei einem solchen ist die Brennkammer von drei Seiten verglast und somit einsehbar.

Würde bestimmt toll aussehen, war unser Gedanke.

Dann mussten wir aber feststellen, dass dreiseitige Kamine vergleichsweise teuer sind. Wenn man nicht ein Einfamilienhaus mit einem 100 qm Wohnbereich plant, wiegen allerdings die Abmessungen eines solchen Kamins noch schwerer als die Kosten. Recht schnell hat man sich mit solch einem Klopper nämlich einen amtlichen Raumteiler gezaubert. Den wollten wir auf gar keinen Fall haben.

Dann halt einen Kaminofen

Wir schwenkten um und schauten nach Feuerstellen, wie dem Pharos 4 von Harrie Leenders.

Pharos Interior Feuerstelle

Pharos Interior Feuerstelle (Quelle: Harrie Leenders Haardkachels BV)

Und Kaminöfen, z.B. Hera von Attika Feuerkultur.

Stahl Kaminofen Hera (Quelle: Attika Feuer AG)

Stahl Kaminofen Hera (Quelle: Attika Feuer AG)

Das Netz ist voller toller Kaminöfen. Allerlei Farben, Formen und Größen sind zu finden. Meist jedoch ohne verlässlichen Preis samt Einbau. Eine Beratung musste her. Also suchten wir einen Ofenbauer in Berlin.

Beratung in der Kaminfabrik

Nochmal im Netz gestöbert, stießen wir auf die Kaminfabrik in der Berliner Franklinstraße. Nach kurzer Terminabstimmung standen wir am frühen Abend mit einem Grundriss unseres damaligen Hausanbieters bewaffnet in der Kaminfabrik.

Die uns entgegenschlagende Hitze war atemberaubend. Schnell mussten die dicken Winterjacken geöffnet, wenig später ganz abgelegt werden. Die Verkaufsräume der Kaminfabrik, versprühen mit ihren rohen Backsteinwänden, Eisen und Zunder, sowie den teils riesigen Feuerstellen einen rauhen, industriellen Charme.

Einen Moment später stand Herr Schumann, einer der beiden Geschäftsführer vor uns und fragte nach unseren Wünschen und kurz darauf nach einem Grundriss.

Die Platzierung des Kaminzuges in unserem Grundriss war der erste Kritikpunkt. Ein Kamin in der Mitte einer Innenwand wäre eher unschön. Die Platzierung an einer der Außenwände wäre besser.

Das verstanden wir nicht ganz, hatten wir doch gerade bei der Grundrissplanung eines Hausanbieters gehört, dass ein Schornstein möglichst mittig platziert werden solle. Andernfalls würde er wie ein Zahnstocher aus dem Dach ragen. Herr Schumann erklärte uns daraufhin die Sichtweise des Kaminbauers. Der damalige Grundriss gab leider keine andere Positionierung her, also ging es weiter zum nächsten Punkt:

Kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmeenergierückgewinnung, kurz KWL.

Ob wir so eine bekämen, lautete die Frage, die wir stolz bejahten, denn auf dieses Ausstattungsmerkmal unseres Hauses freuen wir uns.

Wenn wir eine KWL hätten, müssten wir einen Unterdruckwächter haben. Oder aber einen vom DIBt gepüften, raumluftunabhängigen Kamin (RUA). Vielleicht aber auch beides, das käme auf den Schornsteinfeger an. Dafür müssten wir dann aber auch eine Luftzufuhr für den Kamin über die Bodenplatte oder einen Schornstein mit Thermoluftzug haben. Eine gute Lösung könne aber auch ein Leichtbauschornstein sein, der auch einen Thermoluftzug mitbrächte, dafür im Erdgeschoss aber keinen wertvollen Raum verschwenden würde.

Ein Leichtbauschornstein würde nur im Obergeschoss Raum einnehmen. Der Kamin würde von unten durch die Geschossdecke an den Schornstein angeschlossen werden.

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Wieso Unterdruckwächter und RUA?

Um das zu erklären, muss ein wenig ausgeholt werden.

Üblicherweise bedienen sich Kamine seit jeher der Raumluft des Hauses. Der Sauerstoff aus der Luft des Raumes wird im Kamin zur Verbrennung des Brennstoffes verwendet, die heißen Abgase steigen im Kamin auf uns saugen dadurch wiederum frische Luft aus dem Raum an.

Eine KWL hat die Aufgabe, verbrauchte Luft aus dem Haus zu transportieren und durch Frischluft auszutauschen. Dabei wärmt die Abluft, die eingesaugte Frischluft über einen Wärmetauscher an. Hierdurch kann man auf das regelmäßige Lüften durch Öffnen der Fenster verzichten.

Leider kann es passieren, dass aufgrund von Luftfeuchtigkeit die Zuluft der KWL bei sehr niedrigen Temperaturen einfriert. Hierdurch könnte ein Unterdruck im Haus entstehen, der größer als der des Schornsteins wäre. Dadurch würden die Abgase des Kamins aus diesem herausgesaugt werden. Schlecht, da Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid in ausreichend hoher Konzentration tödlich wirken. Ersticken wäre dann ein doofes Ende eines kuscheligen Kaminabends.

Um dem vorzubeugen sieht der umsichtige Schornsteinfeger einen Unterdruckwächter vor, der im Falle des Auftretens von Unterdruck die KWL kurzerhand deaktiviert. Die Abgase können wieder durch den Schornstein abziehen, die Lebensgefahr ist gebannt.

Auch raumluftunabhängige Kamine (RUA) können eine Lösung des Problems sein. Hierbei ist der Brennraum des Kamins luftdicht gegen den Wohnraum ausgeführt. Der Kamin kann sich nicht mehr der Raumluft bedienen und muss die Frischluft entweder über eine Luftzufuhr durch die Bodenplatte bzw. eine der Außenwände oder aber über einen Thermoluftzug im Schornstein beziehen.

Während die Luftzufuhr über die Bodenplatte, Probleme mit Wärmebrücken und Kondenswasser mit sich bringen kann und der Anschluss über eine Außenwand nicht immer möglich ist, kann ein Thermoluftzug teilweise nicht ausreichend Zug entwickeln, um gut anzufeuern. So haben alle Varianten ihre Vor- und Nachteile.

Wir kamen mit nur einer Frage und gehen mit einem Haufen neuer

Da saßen waren wir nun. Wollten wir uns eigentlich nur ein Angebot für einen Kaminofen einholen, merkten wir, dass das Thema doch weit komplexer ist.

Wir verließen das sehr freundliche und informative Beratungsgespräch mit zwei Katalogen, zwei Visitenkarten und einem Haufen Fragezeichen. Neben der Frage welchen Kamin zu welchem Preis wir haben wollten, gesellten sich:

  • Wie bekommt der Kamin die notwendige Zuluft?
  • Wieso wurde uns für ein Haus nach KfW55 und mit KWL kein Schornstein mit Thermoluftzug angeboten?
  • Sollen wir uns vielleicht statt des doofen Schornsteins lieber einen Leichtbauschornstein anbieten lassen?

Aktueller Stand

Inzwischen hat sich die Frage nach einem Schornstein mit Luftzug erübrigt. Im Gegensatz zu unserem damaligen und inzwischen abgewählten Hausbauer bietet Roth Massivhaus standardmäßig Schornsteine mit Thermoluftzug an.

Wir wissen nun zwar noch immer nicht welcher Kaminofen es sein wird, aber die Voraussetzungen für die Auswahl sind gegeben. Nur war es eben, sicher nicht zum letzten Mal, komplizierter als erwartet.

1 Antwort

  1. Inga sagt:

    Der Kommentar ist herrlich…
    Ersticken wäre dann ein doofes Ende eines kuscheligen Kaminabends.

    Gruß, Inga

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