Die Freude währte ja nicht lange. Gestern wurde der Trinkwasseranschluss unter besonderen Bedingungen hergestellt und heute kam schon kein Wasser mehr an.

Rechnung nicht bezahlt?

Nein, die zweimonatliche Vorauszahlung von üppigen 18€ haben wir gerade noch gestemmt bekommen. Unsere Freunde von Haase und Pollack hatten einfach nach dem Setzen des Wasserzählers das Wasser abgestellt.

Über diese Tatsache informierte uns heute Früh unser bester Wasserspezialist Herr G. Also rief ich postwendend bei Haase und Pollack an, um in Erfahrung zu bringen wieso denn da kein Tropfen mehr herauszuquetschen ist.

Mit dem Umsetzen des Wasserzählers aus dem Bauwasserschacht in den Hausanschlussraum müsse dieser nun verplombt werden. Damit wäre er dann gegen böswillige Eingriffe gesichert und alles wäre fein ordentlich wie es sich gehört.

Ich möge mich an die DNWAB wegen eines Termins wenden.

Es begann ein Schauspiel, das an den guten alten Passierschein A38 aus Asterix und Obelix erinnert.

Telefonmarathon

DNWAB

Ich rief also bei der DNWAB an, um einen Verplombungstermin zu erhalten. Ich landete in der Warteschleife. Positiver Aspekt der Warteschleife: Noch nie habe ich Calypso / Reggae als Warteschleifenmelodie erlebt und ich hänge berufsbedingt häufig in allerlei Warteschleifen.

Als sich dann endlich jemand meiner erbarmte, wurde ich geschwind an jemanden vermittelt, der mir dann aber sagte, dass er mir Verplombungsterminen überhaupt nichts am Hut hätte.

Ich möge doch eine von zwei Durchwahlen anrufen, die er mir im Folgenden nannte.
Unter beiden Rufnummern meldete sich niemand, auch nach mehrmaligen Versuchen war niemand zu erreichen. Nichtmal eine Warteschleifenmelodie bekam man zu Gehör.

Also wieder Reggae Time. Nach 20 Minuten war mir die Melodie in Fleisch und Blut übergangen. Die Luftfeuchtigkeit passte, aber irgendwie fehlte mir Sonnenschein, 28 Grad Außentemperatur und Rum Punch oder behelfsmäßig Ganja, um mich wie in Jamaika zu fühlen.

Eine Stimme riss mich aus meinen Urlaubsphantasien. Ich erläuterte, dass ich gerne ein paar Wasserzähler verplombt wissen wolle und zuvor falsch vermittelt worden wäre.

Das wäre die Schuld der Frühstücksaushilfe gewesen, ich möge kurz in der Leitung bleiben.

Reggae erklingt und der Wunsch kommt auf, auch eine Frühstücksaushilfe zu haben, auf die ich in Zukunft meine Fehler schieben könnte.

Auf einmal eine andere Stimme.

Ich möchte bitte verplombte Wasserzähler haben, damit es wieder Wasser gibt, sage ich.

Ich beantworte die Abfrage nach Name und Adresse und höre, dass die Fertigstellungsmeldung noch nicht beim DNWAB eingegangen wäre.

Wenn wir die haben, können sie hier nochmal anrufen und einen Termin machen. Bekommen wir bestimmt schon nächste Woche hin.

Ich bin sprachlos. Als ich wieder Spucke habe, sage ich: Oh, nächste Woche schon!

Die Erläuterung, dass der Zähler bis gestern munter Bauwasser zählte und nun nur an anderer Stelle Trinkwasser zählen solle ließ die Stimme nicht gelten.

Haase und Pollack

Also rufe ich bei denen an, die die Fertigstellungsmitteilung bisher noch nicht an die DNWAB geschickt haben, Haase und Pollack. Ich versuche es im Büro und nicht auf dem Handy des Bauleiters.

Frau B., die das Gespräch entgegennimmt lässt keinen Zweifel daran, dass das keine gute Entscheidung war. Der Bauleiter ist der richtige Ansprechpartner.

Schon wählt das Handy die Nummer des H&P Bauleiters. Keine Antwort. Ich versuche es weiter.

Herr B. nimmt irgendwann dann ab und bestätigt die Binsenweisheit, dass Bauleiter meist dort sind wo gebaut wird.

Nein, Fertigstellungsmeldung mache ich heute Nachmittag oder morgen Früh, wenn ich wieder im Büro bin.

Ich erwische mich mit leicht flehendem Tonfall um baldige Erledigung zu bitten. Schließlich wären derzeit drei Baustellen ohne Wasser.

Herr B. gibt sich unbeeindruckt.

Informieren der Nachbarn

Nun muss ich den Nachbarn beichten, dass bis auf Weiteres kein Wasser von uns zu haben sein wird. Vorsorglich setze ich auch unseren HSL-Betrieb und unseren Bauleiter in Kopie.

Es folgen Telefonate mit unserem Bauleiter und unseren Nachbarn. Alle geben sich recht entspannt, denn niemand erwartet in den nächsten Tagen Putz oder Estrich. Die paar Liter, um Kleber für die Steine anzumischen würden sich die Arbeiter dann halt anderweitig organisieren.

Das beruhigt mich ein wenig, auch wenn ich es noch immer ganz schön doof finde, dass die DNWAB so ein Spielverderber ist und mindestens eine Woche für das Verplomben von Wasserzählern braucht.

Also ergebe ich mich in mein Schicksal und hoffe, dass Herr B. von Haase und Pollack bald die so wichtige Fertigstellungsmeldung abgibt.

Herr B. ruft an

Am späten Nachmittag, ich habe noch immer Lust auf Rum und Summe gerade die Melodie aus der morgendlichen Warteschleife, klingelt mein Handy.

Herr Baumann meldet Vollzug, die Fertigstellungsmeldung ist zum DNWAB gefaxt. Hatte ich bislang gedacht das Kommunikationsmittel, Fax wäre irgendwann um das Jahr 2010 in der Versenkung verschwunden und durch E-Mail ersetz worden, freute ich mich nun darüber, dass sowohl H&P und DNWAB noch eines in Betrieb haben.

Noch mehr freute ich mich aber über den folgenden Satz.

Ich hab übrigens ihren Schieber wieder aufgemacht. Sie haben ja einen Zähler und werden abgerechnet, da hat die DNWAB dann auch nichts dagegen.

Das beste Telefonat und die Erkenntnis des Tages, dass nichts über eine Person geht, die dann nicht mehr quatscht, sondern einfach mal macht.

Nachbarn informiert, die Zweite

Also Kommando zurück und all jene erneut informiert, nur diesmal mit anderen Vorzeichen.

Ich freue mich nun schon auf morgen, wenn ich erneut beim DNWAB anrufen darf und um einen Termin für die Verplombung ersuche, der von mir aus auch erst in zwei Wochen sein darf.

Bitte ruft nicht beim DNWAB an, um die Warteschleifenmusik probezuhören, ihr könntet mich bei meinem Versuch behindern einen Verplombungstermin zu bekommen.

Das Glas Rum heute Abend habe ich mir auf jeden Fall verdient.

6 Antworten

  1. Dominique sagt:

    Am frühen Morgen auf Arbeit ein großen Grinsen im Gesicht…. das schafft so schnell keiner.

    Sehr amüsant geschrieben und auch das A&O Video – herrlich.

    Es freut mich, dass wieder Wasser vorhanden ist. Vorallem auch für die Nachbarn, auch wenn gerade nicht Unmengen benötigt werden.
    Ich fand zu Beginn die Idee sehr gut den Bauwasseranschluss zu teilen. Würdest du es wieder tun? Und würdest du auch solch einen Deal eingehen, wenn du „nur“ Abnehmer bist? Wie blöd wäre es wohl für den Nachbarn gewesen, wenn ihr erst Wasser in der kommenden Woche gehabt hättet und die tatsächlich verputzen wollten.

    Viele Grüße

    • John sagt:

      Hi Dominique,

      vielen Dank.
      Bei mehreren hundert Euro, die jede einzelne Bauherrschaft sparen kann, würde ich es bei den Nachbarn immer wieder so machen.
      Allerdings habe ich in den vergangenen Monaten auch gelernt, dass ein Bauwasseranschluss, auch beim Massivhaus, nicht unbedingt zwingend erforderlich sein muss. Ein Bauwassertank täte es, außer für Putz und Estrich, auch. Für die beiden Ausnahmen hilft dann ein Standrohr. Von daher war die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Nachbarn gerade dringend Wasser benötigen, gar nich so hoch.
      Ein Bauwassertank und eine Aktion mit einem Standrohr macht überdies auch Stress und kostet Geld.

      Im Endeffekt kommt es aufs Bauunternehmen an. Fordert dieses einen Bauwasseranschluss mit ordentlich Druck, dann muss es halt ein Bauwasseranschluss sein.

      Mit einem Tag Abstand war alles gar nicht soooo schlimm und ist schon vergessen. Auch wenn der Termin zur Verplombung tatsächlich erst in einer Woche ist!!!

      Viele Grüße zurück

  2. Henric sagt:

    Hi John,

    hab ne Weile nicht mitgelesen und heute fleißig nachgeholt und mus sagen, ich hab mich teilweise weggehauen :-))
    Erst die Sache mit den Raupen, dann Dein Gewichtsvorteil beim Trinkwasser und jetzt noch die Asterixgeschichte. Meine Güte was hab ich gelacht.
    Da kann man richtig Lust auf Problem beim Bau bekommen.

    Endlich hab ich ne Ausrede, mir Winterspeck anzufressen 😉

    • John sagt:

      Das nehme ich dann mal als Kompliment, Danke. Wenigstens Einer, der was zu lachen hat 😀 Du bist übrigens kurz davor die Kommentarkrone abzugeben 😉
      Guten Appetit

  3. Jule sagt:

    Hey John,

    klingt ja doch recht aufwendig mit dem Wasseranschluss. Hatten erst überlegt dazu auch mal unsere Nachbarn zu fragen. Aber nachdem, was du so alles durchmachen musstest, bin ich mir nicht mehr sicher. Schön, dass du dich da so einhängst. Da haben deine Nachbar ja echt Glück, dass sie das Wasser gerade nicht so dringend brauchen und dass du dich so schnell immer um alles kümmerst.
    Würdest du es trotzdem noch empfehlen oder doch Leiber davon abraten?

    • John sagt:

      Hi Jule,

      mit einem Tag Abstand ist das alles gar nicht mehr so wild.
      Wenn man entspannte Nachbarn und das Glück hat, dass beide nicht gerade Putz oder Estrich gemacht kriegen sollen, ist das alles ganz in Ordnung und spart einen Batzen Geld, den man viel dringender an anderer Stelle gebrauchen kann.

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