Wir rechnen

Nehmen wir die oben angenommenen Zahlen, können wir ausrechnen, wie die ganze Sache finanziell aussieht. Dabei gehe ich weiterhin von optimalen Bedingungen, einer Haltbarkeit der Anlage von 20 Jahren und einem Autarkiegrad von  50% aus.

Investition
Investition für PV-Anlage mit 10 kWp – 15.000,00 €
Einnahmen
Ersparnis durch 50% Autarkie pro Jahr      1.350,00 €
Einnahmen aus 5.000kWh Einspeisung          615,50 €
Summe Ersparnis / Einnahmen pro Jahr      1.965,50 €
Gewinn
Gewinn pro Jahr      1.965,50 €
Summe in 20 Jahren    39.310,00 €
Abzgl. Initiale Investitionskosten – 15.000,00 €
Summe in 20 Jahren    24.310,00 €
verbleibender Gewinn pro Jahr      1.215,50 €

Wow, das sieht nach einem guten Geschäft aus. O.K., natürlich habe ich etwas geschummelt. Eine PV-Anlage möchte auch gewartet werden, was natürlich ebenfalls Geld kostet, aber andererseits wird die kWh Strom in Zukunft sicher nicht billiger werden. Bisher haben wir die Rechnung leider ohne den Fiskus gemacht.

Umsatzsteuer und Abschreibung

Als PV-Anlagenbetreiber wird man durch den Verkauf von elektrischer Energie an den Netzbetreiber zum Unternehmer. Das hat einen positiven Effekt, man darf sich als Unternehmer die Umsatzsteuer für die PV-Anlage vom Finanzamt zurückerstatten lassen. Statt 15.000€  hat man dann nur noch 12.600€ für die Solaranlage gezahlt. Außerdem darf man die Anlage über 20 Jahre von der Steuer absetzen.

Wer sich ein Haus leisten kann, gehört nicht zu den völlig armen Schluckern und verfügt, wenn nicht über Vermögen, dann doch zumindest über ein ordentliches Gehalt. Gehen wir von einem Spitzensteuersatz von 42% aus. Das macht rund 260€ pro Jahr an ersparter Steuer.

Die zu berappenden Abgaben für eine Photovoltaikanlage sind nicht zu verachten.

Die zu berappenden Abgaben sind nicht zu verachten.

Ab jetzt kommen aber die Nachteile. Dem Energieversorger hat man Rechnungen zu stellen und die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) aufzuschlagen. Der Energieversorger begleicht die Rechnung und holt sich die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer wieder vom Finanzamt zurück. Wir als stolze PV-Anlagen-Unternehmer müssen die vereinnahmte Umsatzsteuer unsererseits wieder an das Finanzamt zurückführen und dafür nun aber monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung und zum Ende des Jahres eine Umsatzsteuererklärung durchführen.

Darüberhinaus verbrauchen wir ja fleißig selber Strom. Den würden wir als Privatperson ja von uns als Unternehmer bisher ohne Mehrwertsteuer erhalten.

Das geht so nicht, also sind auf unseren Eigenverbrauch 19% Mehrwertsteuer an das Finanzamt abzuführen. In unserem Beispiel macht das rund 250€ im Jahr aus.

Einkommensteuer und geldwerter Vorteil

Durch die Einspeisevergütung nehmen wir  jährlich etwa 600€ ein. Auf diese Einnahme haben wir Einkommensteuer zu zahlen.  In unserem Beispiel sind also rund 260€ Einkommensteuer auf die Einspeisevergütung zu zahlen.

Weiter geht es mit dem Eigenverbrauch. Erhält man als Angestellter einen Dienstwagen, so macht man Bekanntschaft mit dem geldwerten Vorteil. Hier wird einem der von unserem Arbeitgeber verschaffte Vorteil, nämlich die Nutzung eines Dienstwagens, steuerlich angerechnet.

Auch beim Eigenverbrauch des Ertrags der Solaranlage haben wir einen geldwerten Vorteil. Wir selbst, die wir ja als PV-Anlagen-Unternehmer tätig sind, verschaffen uns als Privatleute einen geldwerten Vorteil. Dieser Vorteil ist ebenfalls mit unserem Spitzensteuersatz von angenommen 42% zu versteuern.

Als Berechnungsgrundlage des geldwerten Vorteils wird allerdings nicht der allgemein anerkannte kWh Preis der Erzeugungskosten einer eigenen Anlage angenommen, der bei 0,10 bis 0,13€ je kWh liegt. Nein es wird der Wert genommen, den wir selbst für hinzugekauften Strom zu zahlen haben. In unserem Beispiel 0,27€.  Und schon gehen weitere 567€ nicht in unsere Tasche, sondern ins Staatssäckel.

Steuerberater

Die letzten Absätze lesen sich nicht nur schwer, sie sind es auch und machen Arbeit. Wer, um sich das Haus leisten zu können arbeitet, wird nun nicht unbedingt Lust, Zeit und ggf. ausreichend Erfahrung haben die ganzen steuerlichen Dinge selbst zu erledigen.

Wer das nicht selber machen kann/will, wird damit einen Steuerberater betrauen. Auch Steuerberater wollen von Ihrem Job leben und hätten für diese Arbeit gerne Geld. Wenn man hierfür ca. 300€ pro Jahr annimmt, liegt man wohl nicht völlig falsch.

19 Antworten

  1. Inga Wagner sagt:

    Ich frag mich echt wie das hier die Ungarn machen. Bei uns sprießen diese Photovoltaikanlage wie Pilze aus der Erde und jeder der das tut bekommt auch noch Geld von der EU.

    LG. Inga

  2. Wahnsinns Rechnung!
    Ich bin aktuell nicht auf dem neusten Stand, aber ich meine, dass eine PV mit der aktuellsten EnEV 2016 sogar Pflicht ist? Bzw. oft genommen werden muss, um die Auflagen zu erfüllen.

    Deine Rechnung macht mich glatt traurig. Sooo genau, haben wir das noch nicht betrachtet – meine schöne Illusion.

    Dennoch Danke für’s Augen öffnen!

    • Admin sagt:

      Tatsächlich muss eine regenerative Energie im Haus verbaut sein. Hat man sich für eine Gasbrennwerttherme entschieden, dann muss eine Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung auf das Dach oder aber eine KWL. Hat man sich für eine Wärmepumpe entschieden, dann genügt auch diese schon. Eine PV-Anlage ist keinesfalls Pflicht. Bei dem Abgabenwust muss man fast vielmehr den Eindruck gewinnen, dass man eher davon abgehalten werden soll eine zu installieren.

  3. Hallo in die Runde, ich schließe mich dem Thema hier mal an. Wir standen auch vor der Frage ob man eine Photovoltaikanlage in Betracht ziehen sollte. Grundsätzlich würde ich Photovoltaik eine Chance geben, allerdings nicht über die herkömmliche Einspeisung ins Netz des Energieversorgers mittels zweiten Zählers, denn die Einspeisevergütung ist einfach zu gering und die Anschaffungskosten noch zu hoch für solche Anlagen, ganz zu schweigen von dem ganzen Papierkram. Ich bevorzuge mittlerweile die Eigenverbrauchslösung mittels SelfPV Anlage, dabei geht es grundsätzlich darum die monatlichen Stromkosten zu senken in dem man versucht die reine Grundlast des Hauses abzudecken. Die Anlagen sind erschwinglich und es ist kein zweiter Zähler notwendig, der Hauptzähler sollte allerdings eine Rücklaufsperre besitzen und saldierend arbeiten, was die neuen digitalen Zähler meiner Erfahrung nach alle abdecken. Die SelfPV Anlagen können theoretisch an eine Steckdose angeschlossen werden, dies ist allerdings in Deutschland nicht zulässig, hier muss eine feste Anschlußdose installiert werden. In anderen Ländern der EU sind diese Anlagen rege im Gebrauch, die deutschen Energieversorger versuchten diese Anlagen mit fadenscheinigen Begründungen zu verhindern. Mittlerweile sollte es aber kein Problem mehr sein diese Anlagen zu betreiben, eine Inbetriebnahmeanzeige beim Energieversorger sollte genügen.

    Ein guter Anbieter ist hier z.B. http://www.greenakku.de

  4. Nein ich habe diese Anlage noch nicht in Betrieb, habe aber schon entsprechende Leitung auf dem Dachboden liegen. Wenn die Anlage in Betrieb geht, dann wird das bei uns im Blog erwähnt. Vorrangig ist aber erst einmal die Garage und danach ein Zaun an der Grundstücksfront.

    Langsam ernährt sich das Eichhörnchen 😉

    • Admin sagt:

      Ja, man kann nicht alle auf einmal haben 🙂 Hab mich da gerade mal umgesehen. Ja, ganz interessant. Aber mit ausgewachsenen PV-Anlagen hat das ja nicht mehr viel gemein. Hatte schon befürchtet, ich müsse meinen Beitrag in die Tonne kloppen. Dennoch eine interessante Sache, wenn man sie korrekt auslegt. Die Wirtschaftlichkeit müsste man dann noch einmal berechnen.

  5. K.Rohnke sagt:

    Sehr schön beschrieben und gut recherchiert!
    Ich hatte mir auch diese Sachlage angelesen. Man sollte nicht vergessen, das man dann als Selbstständiger auch noch andere Pflichten hat! Eventuelle Versicherungen fallen ggf. auch an. Von der gewerblichen „Gewinnerzielungsabsicht“ der man als Selbstständiger folgen muss mal ganz abgesehen. Würde man weitere betriebliche Kosten aufgrund der „Photovoltaik Selbstständigkeit“ dazurechnen ist dies ohnehin ein absolute k.o. Kriterium.
    Aus diesem Grund für uns nicht, auch wenn ich den Gedanken aus Umweltaspekten und dem Gedanken eine „autarke Strom-Versorgungsmöglichkeit“ zu haben noch nicht ganz verworfen habe.

  6. Diana sagt:

    Wow, vielen Dank für diese detaillierte Aufstellung! Bisher war ich auch immer der Meinung, dass sich eine solche PV Anlage auf jeden Fall finanziell rentiert… Da muss ich wohl doch noch mal in mich gehen. 🙂

    Beste Grüße

  7. Evy sagt:

    DAnke für die ARbeit! Mich betrifft das nicht, aber ich fand’s interessant zu lesen. Aber: Von welchem „Wirkungsgrad“ gehst du aus? Ich habe auf wiki recherchiert – der Wirkungsgrad einer Solarzelle liegt, je nach System, bei max. 25%. Hast du etwas anderes gemeint oder wolltest du ausdrücken, dass von 25% Wirkungsgrad nach einigen Jahren noch 85% übrig sind?

    #BloKoSo

    • Admin sagt:

      Hi Evy. Vielen Dank. Ja, genauso ist das. Solarzellen haben an sich einen geringen Wirkungsgrad, der sich in den letzten Jahren durch stetige Verbesserungen aber massiv verbessert hat. Meine 85% beziehen sich auf den Wirkungsgrad der PV-Anlage, die am Tag der Inbetriebnahme mit 100% angenommen wird. Also tatsächlich 85% von 25%.

  8. m sagt:

    Nach dem lesen des Beitrages ist mir aufgefallen das von Kwh Preis von 0,27 ausgegangen wird. Ich glaube aber ehr das der Preis weiter steigt.
    1995 lag die Kwh noch bei knappen 0,16 Heute 2017 bei knappen 0,3 d.h. sollte die Kwh-Preis sich in den nächsten 20 Jahren wieder verdoppeln so das wir bei knappen 0,6 liegen würden seh die Rechnung wieder ganz anders aus bei Einsparungen von 3000€, das sicher niemand 100% vorhersagen, auch der stetig wachsende Energiebedarf vielleicht werden in 5 bis 15 Jahren schon nicht mehr 5000 kwh sondern 6000 kwh verbraucht, auch hier ging der Trennt stetig Berg auf.

    PV-Anlagen werden sich in Deutschland zumindest in die nächsten 20 Jahren bezahlt machen, da der Energiebedarf steigt die Preise weiter nach oben gehen werden und „saubere Energiepolitik“ teuer wird.

    Als Abschluss ein nicht lohendes Beispiel USA KwH Preis 0.07 $ in South Dakota sprich 0,06€ pro KwH. da denkt keiner über PV nach

    • John sagt:

      Da haben Sie Recht, die Energiekosten werden sicher eher steigen.
      Leider steigt bei einer PV-Anlage, analog dazu dann aber auch die Abgabenlast.
      Der Energieverbrauch in Privathaushalten hingegen ist eher rückläufig (LED-Beleuchtung, energiesparende Heimelektronik und Kühlgeräte) vgl. Studie des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. aus 2015.

  9. Hallo zusammen,
    ich habe meine Erfahrungen mit greenakku.de / Bosswerk mal niedergeschrieben. Lasst lieber die Finger von diesem Anbieter, wenn es um Komplettsets geht. Diese sind nicht ausreichend dimensioniert. Daherhabe ich nicht so gutes zu berichten, jedoch hat es ein gutes Ende was das Finanzielle angeht 🙂

    https://mv08.de/selfpv-komplettpaket-1080wp-mit-48kwh-speicher/

  10. Bernd sagt:

    Hallo, wer wäre dann ein Anbieter für eine selfpv Anlage allerdings ohne Speicher. Ich dachte daran die Grundlast am Tag abzudecken.

    • John sagt:

      Hallo Bernd, da muss ich derzeit leider noch passen. Greenakku.de scheint da aber schon ein vielversprechender Einstieg zu sein und wird dann wohl auch meine erste Anlaufstelle sein.

      Erfahrungswerte habe ich bis dato aber leider (mangels Hauses) noch nicht .

      Lass mich aber bitte gerne dann an deinen Erfahrungen teilhaben.

      Gruß John

  11. Uwe sagt:

    Mir fehlt in der Rechnung noch folgendes: wenn ich 15.000 € über 20 Jahre etwa in Aktien investiere, kommt ja auch einiges zusammen. Ca. 8-10 % p. a. Das müsste man dann vergleichen.

  12. Chris sagt:

    Hallo John,
    ich bin noch nicht ganz durch in eurem Blog, bisher schon mal sehr interessant.
    Hast du die Rechnung auch mal mit KFW Förderdarlehen (153) gemacht, Stichwort Tilgungszuschuss?

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